16.10.2026

Geheimnisse hinter dem roten Vorhang – Auf Entdeckungstour durch die Berufswelt des Staatschauspielhaus Dresden mit der Praxisberatung

Was passiert hinter der Bühne, bevor sich der Vorhang öffnet und welche Berufe sind notwendig, damit eine Aufführung gelingt?

Diesen Fragen konnten interessierte Schülerinnen und Schüler bei einer Betriebserkundung im Staatsschauspiel Dresden im Rahmen eines Ferienangebots der Praxisberatung auf den Grund gehen. Dabei wurde schnell deutlich: Ein Theater ist weit mehr als die Bühne und die Schauspielerinnen und Schauspieler im Rampenlicht. Hinter jeder Aufführung steckt das Zusammenspiel zahlreicher Menschen, unterschiedlicher Gewerke und einer beeindruckenden Organisation.

 

Zwischen Bühne, Werkstatt und Technik

Besonders spannend waren die Einblicke in die technischen Besonderheiten des Hauses. Das 1913 eröffnete Theater beeindruckt mit seinem barocken Zuschauerraum, der Platz für 794 Gäste bietet. Doch die eigentliche Überraschung wartet hinter den Kulissen. Da die Rundkuppel im Hintergrund der Bühne nicht ausgefahren werden kann und nur begrenzt Platz hinter der Bühne zur Verfügung steht, befindet sich unter der Bühne eine rund zwölf Meter tiefe Konstruktion mit einer Art Bühnenaufzug. Diese sogenannte „Unterbühne“ ermöglicht es, Bühnenbilder und Konstruktionen auf unterschiedliche Weise einzusetzen. Auch bei den Materialien kommt es auf besondere Eigenschaften an. Viele Bühnenelemente bestehen beispielsweise aus Holz oder Pressspan. Glas, das auf der Bühne zum Einsatz kommt, ist häufig sogenanntes Zuckerglas, das bei Bruch das Verletzungsrisiko verringern soll. Vorhänge und Teppiche müssen zudem besondere Brandschutzanforderungen erfüllen. Die Jugendlichen erfuhren so, wie eng Kreativität, Handwerk, Technik und Sicherheit im Theater miteinander verbunden sind.

 

Was passiert, bevor sich der Vorhang öffnet?

Bis eine Aufführung auf die Bühne kommt, sind viele Vorbereitungen notwendig. Beginnt eine Vorstellung um 19:30 Uhr, treffen die Schauspielerinnen und Schauspieler häufig bereits gegen 17:00 Uhr ein. Dann stehen unter anderem Maske, Kostüm und die persönliche Vorbereitung auf das Stück auf dem Programm. Auch die Probenarbeit erfordert viel Zeit und Engagement. Von den ersten Proben bis zur Premiere vergehen häufig sechs bis sieben Wochen. Etwa eine Woche vor der Premiere findet die Hauptprobe statt, bei der das Zusammenspiel aller Beteiligten noch einmal intensiv geübt wird. Dabei wurde deutlich, wie wichtig Zuverlässigkeit, Konzentration und Teamarbeit sind. Alle Beteiligten müssen sich aufeinander verlassen können, damit am Ende eine gelungene Aufführung entsteht.

 

Zehn Ausbildungsberufe – und viele Möglichkeiten

Ein besonders wichtiger Bestandteil der Betriebserkundung war der Blick auf die beruflichen Perspektiven an den Sächsischen Staatstheatern, zu denen die Staatsoper Dresden und das Staatsschauspiel Dresden gehören. Hier werden zahlreiche Berufe ausgebildet, die vielen Jugendlichen zunächst vielleicht gar nicht mit einem Theater in Verbindung bringen würden.

Dazu zählen unter anderem:

  • Bühnenmaler/in und Bühnenplastiker/in
  • Fachkraft für Veranstaltungstechnik
  • Maskenbildner/in
  • Maßschneider/in mit der Fachrichtung Damen oder Herren
  • Mediengestalter/in Bild und Ton
  • Metallbauer/in in der Fachrichtung Konstruktionstechnik
  • Raumausstatter/in
  • Schuhmacher/in
  • Textilreiniger/in in der Fachrichtung Textilfärbung
  • Tischler/in

Die Vielfalt zeigt, wie viele unterschiedliche Interessen und Fähigkeiten in einem Theater gefragt sind. Ob handwerkliches Geschick, technisches Verständnis, Kreativität oder ein gutes Gespür für Gestaltung – hier finden ganz unterschiedliche Talente ihren Platz.

Darüber hinaus besteht ab der 9. Klasse die Möglichkeit, ein mindestens einwöchiges Praktikum zu absolvieren und den Arbeitsalltag am Theater näher kennenzulernen.

 

Eine große Logistik hinter jeder Aufführung

Dass Theaterarbeit auch eine umfangreiche Organisation erfordert, wurde ebenfalls deutlich. Bühnenbilder und Requisiten werden nicht für jedes Stück vollständig neu hergestellt oder nach der letzten Vorstellung entsorgt. Vielmehr müssen sie gelagert, gepflegt und bei Bedarf wieder transportiert werden. Dafür steht unter anderem ein großes Lager in Kesselsdorf zur Verfügung. Zwischen Lager, Werkstätten und Theater müssen Materialien und Bühnenbilder zuverlässig bewegt werden. So wurde den Jugendlichen bewusst, dass hinter einer Aufführung nicht nur kreative Arbeit, sondern auch eine ausgeklügelte Logistik steckt.

 

Theater als gemeinsames Projekt

Neben den fachlichen Eindrücken blieb vor allem eine Erkenntnis: Die Arbeit am Theater ist abwechslungsreich und lebt vom Zusammenspiel vieler verschiedener Menschen. Leidenschaft für die eigene Tätigkeit, gegenseitiges Vertrauen und ein gutes Miteinander sind wichtige Voraussetzungen, um gemeinsam etwas auf die Bühne zu bringen.Die Betriebserkundung bot den Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit, hinter die Kulissen eines bekannten Dresdner Kulturhauses zu schauen und Berufe kennenzulernen, die im Alltag oft weniger sichtbar sind. Gleichzeitig eröffnete sie neue Perspektiven für die eigene berufliche Zukunft und zeigte, wie vielfältig die Wege in die Arbeitswelt sein können.

 

Wir bedanken uns herzlich beim Staatsschauspiel Dresden für die spannenden Einblicke und die Möglichkeit, Theater einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennenzulernen!

– Die Praxisberatung